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Energiewissen für Ihr Unternehmen

Verstehen Sie Ihre Energiekosten, optimieren Sie Ihre Beschaffung und profitieren Sie von fundiertem Fachwissen für nachhaltige Einsparungen.

Energiepreise & Kostenstruktur

Unternehmensenergiekosten entstehen nicht aus einem einzigen Preis, sondern aus einem Zusammenspiel von Beschaffung, Netznutzung und staatlichen Bestandteilen.

Was treibt die Energiekosten im Unternehmen?

Unternehmensenergiekosten bestehen aus drei großen Blöcken:

Großhandelspreis und Lieferantenmarge - marktgetrieben und volatil

Übertragungs- & Verteilnetze, Messstellenbetrieb - regional unterschiedlich

Umlagen und Steuern - politisch festgelegt

  • Energie & Vertrieb
  • Netzentgelte
  • Staatliche Bestandteile

Strompreis-Zusammensetzung 2026

  • Energie/Beschaffung & Vertrieb: marktabhängig
  • Netzentgelte: ca. 27-29%
  • Umlagen (KWKG, §19, Offshore): 2,946 ct/kWh
  • Stromsteuer: 2,05 ct/kWh
  • EEG-Umlage: 0 ct/kWh (seit 07/2022)

Was Unternehmen 2025/26 beachten sollten

Schwankende Großhandelspreise erfordern aktiv gemanagte Beschaffung statt "Set and Forget"

Politische Entlastungen (z.B. Übernahme von Übertragungsnetzentgelten ab 2026) wirken dämpfend

Transparenz ist Trumpf: Nur wer seine Kostenstruktur kennt, kann gezielt optimieren

Praxis-Tipp: Fordern Sie von Ihrem Lieferanten eine transparente Aufschlüsselung aller Kostenbestandteile. So erkennen Sie Optimierungspotenziale.

Beschaffung & Vertragsmodelle

Die richtige Beschaffungsstrategie kann Ihre Energiekosten um 15-30% senken. Entscheidend sind Timing, Vertragsmodell und strategische Planung.

Die fünf gängigen Strategien

Maximale Budgetsicherheit über die gesamte Laufzeit

Partizipation an Marktbewegungen

Zeitliche Streuung der Beschaffung

Wettbewerb zwischen Lieferanten erzeugen

Hebel durch gebündeltes Volumen mehrerer Unternehmen

  • Fixpreis (Vollversorgung)
  • Variabel/Index/Spot
  • Tranchen-/Portfolioeinkauf
  • Ausschreibung & Bündelung
  • Mengenbündelung Empfohlen

Timing & Laufzeiten

Preissicherheit vs. Chancenverzicht - ideal in Hochpreisphasen nach Vertragsabschluss

Flexibilität vs. Repricing-Risiko - geeignet bei erwarteten Preissenkungen

Beschaffungsleitlinien definieren + Frühwarnindikatoren nutzen (z.B. "Preisfenster" für Tranchen)

  • Lange Laufzeiten (2-5 Jahre)
  • Kurze Laufzeiten (6-12 Monate)
  • Best Practice

Häufige Fehler vermeiden

Emotionale oder zeitdruckbedingte Entscheidungen führen oft zu suboptimalen Konditionen

Wechselfenster verpassen und in Grundversorgung fallen - deutlich teurer

SLP/RLM nicht optimal genutzt → teure Fehlanreize und verpasste Einsparpotenziale

  • Abschluss "auf Zuruf" statt Strategie
  • Zu späte Verlängerungen
  • Fehlende Abstimmung von Messart & Tarif

Messen, Steuern & Optimieren

Die richtige Messart ist die Grundlage für transparente Abrechnung und gezieltes Energiemanagement. SLP vs. RLM - verstehen Sie den Unterschied.

SLP – Standardlastprofil

Abrechnung anhand typischer Verbrauchsprofile je Kundengruppe - keine 15-Minuten-Leistungsmessung

Geeignet für: Verbräuche unterhalb des Richtwerts von rund 100.000 kWh/Jahr (Strom)

  • Vorteile
  • Nachteile
  • Geringe Komplexität & Messkosten
  • Einfache Abrechnung
  • Keine speziellen Zähler nötig
  • Weniger präzise Abrechnung
  • Mögliche Nachzahlungen
  • Kein detailliertes Lastmanagement möglich

RLM – Registrierende Leistungsmessung

Präzise Messung im 15-Minuten-Takt (Strom) bzw. stündlich (Gas) - exakte Verbrauchserfassung

Richtwert: ab ca. 100.000 kWh/Jahr (Strom) bzw. ca. 1,5 Mio. kWh/Jahr (Gas), im Einzelfall abweichend

  • Vorteile
  • Nachteile
  • Präzise, verursachungsgerechte Abrechnung
  • Detailliertes Lastprofil für Optimierung
  • Zugang zu individuellen Tarifen
  • Professionelles Lastmanagement möglich
  • Höhere Messkosten
  • Spezielle Zähler erforderlich

Lastgang verstehen & nutzen

Der Lastgang zeigt Ihren Energieverbrauch im Zeitverlauf und ist der Schlüssel zur Optimierung:

Erkennen Sie teure Verbrauchsspitzen und optimieren Sie Produktionsabläufe

Verlagern Sie energieintensive Prozesse in günstigere Zeiten

Reduzieren Sie Standby-Verbräuche und unnötige Dauerlast

Von monatlicher Rechnung zu viertelstündiger Steuerung

  • Lastspitzen identifizieren
  • Lastverschiebung prüfen
  • Grundlast optimieren
  • Energiemanagement etablieren

Bilanzierungsumlage & Messart

SLP und RLM werden unterschiedlich bilanziert und verursachen daher unterschiedliche Bilanzierungsumlagen. Die präzisere RLM-Messung reduziert Prognoserisiken in der Bilanzierung und kann dadurch zu Kostenvorteilen führen.

Netzentgelte, Umlagen, Steuern

Diese regulierten Bestandteile machen einen erheblichen Teil Ihrer Energiekosten aus. Transparenz schafft Optimierungspotenziale.

Netzentgelte – die Basis verstehen

Netzentgelte decken Betrieb, Instandhaltung und Ausbau der Strom- und Gasnetze. Die Regulierung erfolgt durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) und Landesbehörden.

Die Höhe variiert stark je nach Region, abhängig von Netzstruktur, Auslastung und Investitionsbedarf. Städtische Ballungsräume haben oft niedrigere Entgelte als ländliche Regionen.

Umlagen auf Strom 2026

Die EEG-Umlage wurde zum 01.07.2022 auf 0 ct/kWh gesenkt. Folgende Umlagen verbleiben für 2026:

Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen

Ausgleich für Netzentgeltbefreiungen

Anbindung von Offshore-Windparks

Seit 01.07.2022 vollständig abgeschafft

Anstieg um ca. 0,295 ct/kWh gegenüber Vorjahr

  • KWKG-Umlage: 0,446 ct/kWh
  • § 19 StromNEV: 1,559 ct/kWh
  • Offshore-Netzumlage: 0,941 ct/kWh
  • EEG-Umlage: 0,000 ct/kWh
  • Gesamtsumme Umlagen 2026: 2,946 ct/kWh

Stromsteuer für Unternehmen

Unverändert seit 2003

  • Regelsatz: 2,05 ct/kWh
  • Ermäßigungen für produzierendes Gewerbe möglich
  • Ausnahmen für bestimmte Nutzungsarten (z.B. Elektromobilität)
  • Spitzenausgleich für energieintensive Betriebe

Gas: Konvertierungsumlage

Die Konvertierungsumlage wird jährlich zum 1. Oktober festgelegt. Nach der Einführung im Oktober 2022 mit 0,038 ct/kWh wurde sie bereits im Oktober 2023 wieder auf 0 ct/kWh gesenkt.

Hinweis: Prüfen Sie jährlich die aktuelle Höhe der Konvertierungsumlage, da diese variabel ist.

Ausblick: Reform bis 2028

Die aktuelle Stromnetzentgeltverordnung läuft zum Ende 2028 aus und wird durch das neue System AgNeS (Allgemeines Netzentgeltsystem für Strom) ersetzt.

Bisherige Band-Lastregelungen (hohe Grundlast = Vergünstigungen) könnten wegfallen oder neu geordnet werden

Künftige Vergünstigungen könnten stärker an Flexibilität gekoppelt sein (Lastverschiebung, Lastspitzenverzicht)

Empfehlung: Betriebs- und Lastprofile jetzt schon prüfen und auf Flexibilität setzen

Branchenlösungen im Mittelstand

Jede Branche hat spezifische Energieprofile und Optimierungspotenziale. Nutzen Sie branchenspezifisches Know-how.

Typische Branchen-Profile & Hebel

Morgendliche und gebündelte Lastspitzen durch Backöfen, Kühlung und Produktionsmaschinen

Tagesprofil mit Peak-Fenstern, hohe Anforderungen an Versorgungssicherheit

Kühlung, Beleuchtung und Wärme dominieren - hoher Grundlastanteil

Saisonalität bei Bewässerung, Potenzial für Eigenerzeugung und Direktvermarktung

Hohe Leistungsspitzen durch Maschinen, Druckluft und Schweißen

Kontinuierliche hohe Grundlast, Kühlung und USV-Systeme

  • Bäckerei / Metzgerei / Produktion
  • Praxis / Healthcare / Kliniken
  • Gastronomie / LEH / Handel
  • Landwirtschaft / Biogasanlagen
  • Maschinenbau / Metallverarbeitung
  • Rechenzentren / IT

Maßnahmen-Baukasten für alle Branchen

SLP vs. RLM optimal nutzen - ab einem Richtwert von rund 100.000 kWh/Jahr (Strom) RLM prüfen

Prozesse, Ladezeiten, Kühlzyklen in günstige Zeitfenster verlagern

PV, BHKW, Batteriespeicher wirtschaftlich bewerten und kombinieren

Blindstromkompensation und Netzqualität verbessern

Unsere Energieexperten kennen die Besonderheiten Ihrer Branche und entwickeln maßgeschneiderte Lösungen für Ihre Anforderungen.

  • Tarif passend zur Messart
  • Lastverschiebung
  • Eigenerzeugung & Speicher
  • Blindleistung & Power Quality
  • Branchenspezifische Beratung

Markttrends & Ausblick

Die Energiemärkte befinden sich im Wandel. Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und zukünftige Trends.

Aktuelle Marktentwicklungen 2025/2026

Ab 2026 ist eine teilweise Übernahme der Übertragungsnetzentgelte durch den Bund geplant - dämpfender Effekt auf Endpreise.

Dennoch: Keine Garantie auf sinkende Gesamtpreise durch andere Faktoren

Großhandelspreise bleiben trotz Normalisierung volatil - abhängig von Wetter, geopolitischen Entwicklungen und Gaspreisen.

Strategische Beschaffung wird wichtiger denn je

RLM-Daten, Dashboards und KI-gestützte Prognosen werden Standard im Energiemanagement.

Smart Metering und Echtzeit-Monitoring ermöglichen präzise Steuerung

Künftige Netzentgelt-Systeme könnten Flexibilität und Lastverschiebung stärker honorieren.

Investitionen in Lastmanagement und Speicher werden attraktiver

  • Entlastung bei Übertragungsnetzentgelten
  • Volatile Großhandelspreise
  • Digitalisierung & Transparenz
  • Flexibilität wird belohnt

Bedeutung von Mengenbündelung

Mengenbündelung gewinnt an Bedeutung: Durch Bündelung von Verbrauchsmengen erhalten auch kleine und mittlere Unternehmen Zugang zu attraktiven Großhandelskonditionen.

Typische Einsparung ggü. Einzelbeschaffung

Energieintensive Betriebe nutzen langfristige Verträge

Professionelles Marktmonitoring

Eigenerzeugung, Flexibilität & Speicher

Immer mehr Unternehmen setzen auf Eigenerzeugung (z.B. Photovoltaik) und Speichersysteme, um Kosten zu senken, Netzentgelte zu optimieren und Spitzenlasten zu vermeiden.

Lastverschiebung, Speicher und Lastreduzierung können die Energiekosten um 19-80% senken (je nach Branche und Ausgangslage)

Eigenstrom tagsüber, Netzentgelte reduzieren

Lastspitzen kappen, Eigenverbrauch erhöhen

Intelligente Steuerung, Prozessoptimierung

  • Potenziale durch Flexibilität
  • Kostensenkung durch Flexibilität
  • Photovoltaik
  • Batteriespeicher
  • Lastmanagement

Reform der Netzentgeltregulierung

Die Stromnetzentgeltverordnung läuft Ende 2028 aus und wird durch das neue Allgemeine Netzentgeltsystem für Strom (AgNeS) ersetzt.

▸ Bisherige Band-Lastregelungen könnten wegfallen oder angepasst werden

▸ Zeitvariable Netzentgelte (lastabhängige Gebühren) werden wahrscheinlicher

▸ Flexibilität und Lastverschiebung werden wichtiger für Vergünstigungen

Handeln Sie jetzt: Prüfen Sie Ihre Lastprofile und investieren Sie in Flexibilitätsoptionen

  • AgNeS kommt 2029

Glossar - Wichtige Begriffe

  • SLP: Standardlastprofil - vereinfachte Abrechnungsmethode ohne 15-Minuten-Messung für kleinere Verbräuche
  • RLM: Registrierende Leistungsmessung - präzise Verbrauchserfassung im 15-Minuten-Takt (Strom) bzw. stündlich (Gas)
  • Netzentgelte: Gebühren für Nutzung der Strom- und Gasnetze, regional unterschiedlich, ca. 27-29% des Strompreises
  • Lastgang: Zeitlicher Verlauf des Energieverbrauchs, zeigt Spitzen und Grundlast, Basis für Optimierung
  • Lastspitze: Maximaler Leistungsbezug in einem Zeitraum, treibt Netzentgelte, Optimierungspotenzial durch Glättung
  • Grundlast: Kontinuierlicher Mindestverbrauch, z.B. durch Standby-Geräte, Beleuchtung, Kühlung
  • Trancheneinkauf: Beschaffungsstrategie mit zeitlich verteilten Teilmengen zur Risikodiversifikation
  • Spotmarkt: Kurzfristiger Energiehandel, tagesaktuelle Preise, hohe Volatilität
  • AgNeS: Allgemeines Netzentgeltsystem für Strom, ab 2029, neue Regelungen für Netzentgelte
  • KWKG: Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, Umlage 2026: 0,446 ct/kWh zur Förderung von KWK-Anlagen
  • Bilanzierungsumlage: Ausgleich von Prognoseabweichungen, unterschiedlich für SLP und RLM
  • Eigenverbrauch: Direkte Nutzung selbst erzeugter Energie (z.B. PV), reduziert Netzbezug und Kosten

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen SLP und RLM?
SLP (Standardlastprofil) ist eine vereinfachte Abrechnungsmethode für kleinere Verbräuche ohne 15-Minuten-Leistungsmessung. RLM (Registrierende Leistungsmessung) erfasst den Verbrauch präzise im 15-Minuten-Takt bei Strom und stündlich bei Gas. Als Richtwert gelten bei Strom etwa 100.000 kWh/Jahr und bei Gas etwa 1,5 Mio. kWh/Jahr, im Einzelfall kann das abweichen.
Warum unterscheiden sich Netzentgelte regional so stark?
Netzentgelte decken Betrieb, Instandhaltung und Ausbau der Stromnetze. Die Höhe hängt von der Netzstruktur, Auslastung, dem Investitionsbedarf und der regionalen Regulierung ab. Ländliche Gebiete mit langen Leitungen haben oft höhere Entgelte als dicht besiedelte Regionen.
Welche Beschaffungsstrategie passt zu meinem Unternehmen?
Das hängt von Ihrer Risikobereitschaft und Ihrem Verbrauchsprofil ab. Fixpreisverträge bieten Planungssicherheit, variable Tarife ermöglichen Marktchancen. Trancheneinkauf streut Risiken über verschiedene Zeitpunkte. Mengenbündelung bietet KMUs Zugang zu Großhandelskonditionen.
Was bringt mir Lastmanagement konkret?
Durch gezieltes Lastmanagement können Sie Spitzenlastkosten reduzieren, Netzentgelte optimieren und Ihre Energieeffizienz steigern. Die Analyse Ihres Lastgangs zeigt Einsparpotenziale von 15-30% - etwa durch Verlagerung energieintensiver Prozesse in Schwachlastzeiten.
Lohnt sich der Wechsel von SLP zu RLM?
Ein Wechsel kann sich lohnen, wenn Ihr Verbrauchsprofil deutlich vom Standardlastprofil abweicht oder Ihr Jahresverbrauch über dem Richtwert von etwa 100.000 kWh (Strom) liegt. RLM ermöglicht präzisere Abrechnung, Zugang zu individuellen Tarifen und professionelles Lastmanagement - erfordert aber höhere Messkosten.
Was ändert sich bei der Netzentgeltregulierung bis 2028?
Die aktuelle Stromnetzentgeltverordnung läuft 2028 aus und wird durch das neue AgNeS-System ersetzt. Künftig könnten Vergünstigungen stärker an Flexibilität und Lastverschiebungen gekoppelt sein. Unternehmen sollten bereits jetzt auf flexible Lastprofile setzen.
Wie funktioniert Mengenbündelung im Energiebereich?
Mehrere Unternehmen bündeln ihre Verbrauchsmengen und treten gemeinsam am Markt auf. Dadurch erhalten auch kleine und mittlere Unternehmen Zugang zu attraktiven Großhandelskonditionen, professionellem Energiemanagement und besseren Verhandlungspositionen.
Welche Rolle spielt Eigenerzeugung für Unternehmen?
Photovoltaik, BHKW oder andere Eigenerzeugungsanlagen können Strombezugskosten senken, Netzentgelte reduzieren und die Versorgungssicherheit erhöhen. In Kombination mit Speichern lassen sich Lastspitzen kappen und die Eigenverbrauchsquote optimieren.